Erstellt mit MAGIX   ©   Wolfgang Müller Fabrikstraße - Brücke Nossener Straße, im Hintergrund die Schornsteine des Heizkraftwerkes der DREWAG, wo sich das Kanonenbohrwerk befand Man muss sich in unserer Stadt schon etwas auskennen, um in Dresden-  Löbtau, unterhalb der Nossener Brücke, das Straßenschild „Am Weißeritz-  mühlgraben“ zu finden. Allerdings, so wie auf dem Foto oben zu sehen, ist  es heute nicht mehr vorhanden. Bei der Erneuerung der Fabrikstraße zu  Beginn des Jahres 2007 wurde es samt Mast entfernt und nun an einem  Stahlrohr befestigt, neu aufgestellt.   Ebenfalls Insiderwissen gehört zur Deutung dieses Schildes, denn weit und  breit ist nichts von einem Mühlbach oder einer Mühle zu sehen. Doch hier  riecht es geradezu nach Geschichte, nach alten Mühlen und altem Hand-  werk, - sozusagen nach den Wurzeln unserer modernen Industrie. Vermutlich Unsere Stadtväter hatten sich nach 1945 entschieden, mit der  Benennung der damals hier neu angelegten kleinen Straße, die Erinnerung  an das alte Dresden wach zuhalten. Es sollte auf einen alten Mühlenweg  hingewiesen werden, der einst weiter vorn verlief. Dort befanden sich die  Gebäude der ehemaligen Pulvermühle. Vor ihnen zog sich bis zum Jahre  1927 über mehrere Jahrhunderte hinweg, der alte Weg neben einem von der Weißeritz abzweigenden, künstlich angelegten Wasserlauf entlang. Dieser  wiederum diente über fünfhundert Jahre auf seinem ca. 4 km langen Lauf  bis zur Elbe als Energiequelle für handwerkliche, manufakturelle und später  industrielle Unternehmen der verschiedensten Art. Damit war er einst außer- ordentlich bedeutend für unsere Stadt und das gesamte Land. Zur Bereitstellung der notwendigen Antriebsenergie, gab die Weißeritz das  ganze Jahr über meistens ihre gesamte Wassermenge an die Räder, später Wasserturbinen in diesem Mühlbach ab. Das schien auch nötig, denn die so gewonnene Kraft war damals die einzig effektive, der zur Verfügung stehen-  den Energiequellen ihrer Zeit. Die Weißeritz wurde am Dresdner Mühlgraben so vielseitig genutzt, wie  kaum an einem anderen sächsischen Fluss. So entstanden hier nachweis-  lich ab dem 15. Jahrhundert neben den für die menschliche Ernährung so  wichtigen Getreidemahlmühlen auch ein Hammerwerk zum Bearbeiten von  Eisen-, Kupfer- und Silber, eine Schleif- und Poliermühle zur Herstellung von  Edelsteinen, später Spiegelgas und zwei überaus bedeutende Anlagen wie  die Pulvermühle und das Kanonenbohrwerk. Aber auch eine Papiermühle,  sowie eine Schmelz-, Walk-, Tabak-, Gewürz- und Nudelmühle haben an  diesem Mühlbach gestanden. Die Kraft des Weißeritzwassers schien bei all dieser Arbeit aber längst noch  nicht erschöpft. Über 300 Jahre lang trug es auf seinem Rücken im Frühjahr  und im Herbst das aus den erzgebirgischen Wäldern geflößte Bau- und  Brennholz durch den Mühl- und Floßgraben zum alten Floßhof auf Löbtauer  Flur.   Damit aber noch nicht genug. Es diente auch den Gerbern und Kuttlern  (Fleischer) für ihre Existenz, die aus diesem Grunde ebenfalls am Mühl-  graben sesshaft wurden. Verschiedene industrielle Anlagen am Weißeritz-  mühlgraben hatten nur ein kurzes, bewegtes Leben. Man gab sie aus  Unrentabilität sehr schnell wieder auf oder sie fielen Kriege zum Opfer. Andere dagegen besaßen größeres Glück. Sie wurden von den Landes-  herren gefördert und so über eine gewisse Zeit am Leben erhalten. Einige  baute man später mit neuen Funktionen versehen um und sicherte so ihren  Weiterbestand bis in das 20. Jahrhundert hinein. Weg "Am Weißeritzmühlgraben", stadtwärts gesehen um 1910 Vorn der frühere Zellische Weg, dort der Weg "Am Weißeritzmühlgraben" um 1900 Hinter dem Geländer fließt der Weißeritzmühlgrabenvon links nach rechts, davor der gleichnahmige Weg Der Mühlbach selbst wurde bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu-  nehmend in unterirdische Gewölbe verbannt. Durch die rasante, technische  und damit wirtschaftliche Entwicklung vom 19. zum 20 Jahrhundert, verlor er  rasch an Bedeutung. Er brachte außerdem durch sein enorm verunreinigtes  Wasser für die Stadt Dresden massive hygienische und auch finanzielle Pro- bleme. Damit war sein Ende besiegelt. Am 9. Oktober 1937, genau um 12. Uhr, schlossen sich die Schützen an  den beiden Wehren des Mühlgrabens für immer. An den wenigen Stellen, an  denen er bis zuletzt noch offen dahin geflossen war, wurde er verfüllt, und  bald deutete nur wenig auf seine einstige Anwesendheit in unserem Stadt-  gebiet hin. Allein die bis dahin noch vorhandenen Gebäude und Anlagen, die  einst mit ihm in enger Symbiose standen, existierten weiter bis zur Zerstö-  rung unserer Stadt. Heute ist bis auf wenige Spuren kaum noch etwas aus  dieser Vergangenheit erhalten geblieben. Wolfgang Müller Dresden, im Januar 2012 Zum Vergrößern anklicken